Drei-Punkte-Plan zur Steigerung der Willenskraft

Die Saison hat bereits schon begonnen. Die Halle ist wieder einmal für jeden aktiven Unihockeyaner ein vertrautes Umfeld geworden. Doch vor ein paar Wochen sah es ganz anders aus: Wie in jedem Sommer müssen viele Unihockeyspieler mit den selben Strapazen kämpfen. Grund des Leidens ist das berüchtigte SOMMERTRAINING.

STOP! Was hast du dir jetzt gerade überlegt, als Du das Wort Sommertraining gehört hast. Überlege kurz einmal!

War es vielleicht folgendes: Ein Horrorbild – roter Platz, brennende Hitze, kein Schläger, erst recht kein Ball, sehr sehr anstrengend und wenig Spass. Den meisten Spielern schrecken solche Horrorvorstellungen so sehr ab, dass sie mit ihrer schlechten Trainingslaune andere Spieler anstecken oder erst gar nicht im Training erscheinen.

Dem Trainer besitzt in dieser Situation unendlich viele Möglichkeiten, sein Team zu motivieren. Ein sehr häufig verwendete Methode ist folgende: Der Cheftrainer trommelt sein Team zusammen, appelliert während einer etwas längeren und langweiligen Rede an das Durchhaltevermögen und die Ausdauer seiner Spieler. Sie sollten sich gefälligst in den paar Wochen auf die Zähne beissen. Am Ende der Quälerei erhalten alle die gleiche Belohnung: Schläger und Ball.

ABER: Viele wissenschaftlichen Studien zum Thema operanten Konditionierung zeigen, dass dieses Belohnungsspielchen bei Menschen nur von kurzfristigen Erfolg gekrönt ist. Denn der Trainer muss sein Team immer wieder neu und besser belohnen, damit es die Leistung bringt.

Eine langfristige, erfolgreichere Methode setzt individuell bei jedem Spieler an. Sie wird wahrscheinlich mehr Zeit kosten, als das Belohnungsspielchen, jedoch das Trainingsverhalten des Spielers enorm verändern. Die Methode umfasst die Steigerung der Willenskraft.

Dazu folgendes Zitat von Bischoff zu der Willenskraft:

Eigenmotivation ist nichts anderes, als ein tägliches Motiv für das eigene Handeln zu haben. Es gibt jetzt einen motivierenden Grund für dich und du weisst aus tiefsten Herzen, WARUM du da hoch musst. Du spürst ein Kribbeln, spürst die Aufregung, den Enthusiasmus, wenn du zu dir sagst: Das pack ich an. Das ist das Entscheidende – zu fühlen, dass du es willst, und zu wissen warum. Mit deiner Motivation kommt die Willenskraft. Die ist wie ein Terrier. Sie lässt nicht locker. Kein Zweifel kann sie brechen. (Bischoff, S. 111)

Für den Trainer ergibt sich aus dem Zitat folgender Drei-Punkte-Plan:

1) Das Motiv des Spielers für den Unihockeysport erarbeiten und die Teamziele bzw. die individuellen Ziele für die Saison finden. (Spieler: Was will ich?)

Der Trainer muss sich mit dem Team Ziele für die Saison ausdenken. Was will das Team in der Meisterschaft schaffen? Danach soll sich jeder Spieler selber Ziele ausdenken, die er individuell erreichen will.
Ein weiterer Teilschritt ist es, sich zu überlegen, warum spielt der Spieler Unihockey. Warum geht er drei Mal die Woche ins Training? Warum will der Spieler gerade in diesem Team spielen? etc. Damit soll das Motiv des Spielers erfasst werden.
Die gesamten Informationen zu Zielen und Motiven des Spielers müssen schriftlich festgehalten werden. Der Trainer sammelt die Notizen ein und liest sie sich durch. Er erhält von seinem Team einen Überblick, welche Spieler genau weiss, wo er hin möchte und bei welchem in dieser Hinsicht noch Gesprächsbedarf besteht.
Das Original erhält der Spieler zurück. Ein Kopie bleibt beim Trainer.

2) Die Eigenmotivation des Spielers finden. (Spieler: Warum will ich das?)

Im zweiten Schritt muss der Spieler aus seinen Motiven und Zielen ein Eigenmotivation entwickeln. Meisten geschieht das von ganz allein, aber wenn er einmal nicht so will, hält der Trainer ihm einfach seine Liste vor die Nase und macht dem Spieler klar, was seine Ziele sind.
Vielleicht sollte in einem Gespräch oder in einer Teamsitzung das WARUM der Ziele und Motive ausdiskutiert werden.

3) Die Willenskraft des Spielers wecken. (Spieler: Das pack ich an!)

Im letzten Schritt kommt aus der Eigenmotivation die Willenskraft, die den Spieler von Sommertraining zu Sommertraining trägt und immer wieder einen Schritt voranbringt. Stück für Stück dem eigenen Zielen und den Teamzielen näher.

In den drei Schritten ist jeder Spieler unterschiedlich weit. Es gibt Spieler, die diese Schritte alle selbstständig durchlaufen. Andere wiederum bleiben schon beim ersten Schritt stecken. Hier ist der Trainer gefragt, diesen Spieler Stück für Stück zur Willenskraft zu verhelfen.

Wenn die Willenskraft greift dann sollte an dem eingangs erwähnten Beispiel SOMMERTRAINING folgende Bilder in den Gedanken überwiegen …

…Sommertraining ist sehr anstrengend. Ich mag die Anstrengungen, die Herausforderung das Limit meines Körpers immer wieder eine Stufe zu erweitern.

…Ich trainiere meinen Körper auf ein Maximum, damit ich erfolgreich in die Saison starten kann.

…Mit einem fitten Körper gewinne ich jeden Zweikampf. Jeder gewonnene Zweikampf ist ein Teilerfolg für den Sieg.

… etc. …

Natürlich ist der Drei-Punkte-Plan nicht nur für das Sommertraining vorgesehen, sondern kann in jeder Situation in der Saison durchgeführt werden

Literatur: Bischoff, Christian (2010): Willenskraft. Warum Talent gnadenlos überschätzt wird. Berlin: Econ.
Bildquelle: http://static3.kleinezeitung.at/system/galleries_520×335/upload/3/2/3/2338515/kampf hund_marbod.jpg


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