Gleichung für die Entdeckung neuer Lebensmöglichkeiten

Du kennst bestimmt folgende Situation: Es ist 8 Uhr abends. In 30 Minuten treffe ich mich mit meinen Kollegen in einer Bar. Alles gar nicht so schlimm, ausser dass ich einen Text aus der Entwicklungspsychologie lesen muss, der mich so gar nicht interessiert. Während ich mich ganz langsam durch den Text quäle, Ziele für Zeile, Wort für Wort, bin ich gedanklich schon 30 Minuten weiter – bei einem schönen kühlen Bier in geselliger Runde.


Bild 1: Langeweile beim Lesen.

Aber plötzlich, wie aus heiterem Himmel, stosse ich auf einen einzigen Satz, der es in sich hat. Beim ersten Mal lesen habe ich es noch nicht ganz begriffen, auf welche Goldgrube ich gestossen bin. Erst als ich den Satz genauer anschaute war mir klar, in ihm steckt etwas ganz besonders:

Für Cantor und Sanderson (1999) sind es daher Zielbindungen und dauerhafte Investitionen in als wertvoll erachtete Vorhaben und Pläne, die Menschen einen Sinn für ihre Gestaltungsfähigkeiten vermitteln und ihnen vielfältige Möglichkeiten eröffnen, am sozialen Leben und kulturellen Leben […] teilzunehmen. (Brunstein et. al 2007, S. 275)

WAHSINN so eine Lebensweisheit in einem psychologischen Fachtext zu finden passiert nicht alle Tage. Zum besseren Verständnis habe ich das Zitat in eine Gleichung umgeformt:

Zielbindung + dauerhafte Investitionen = Lebensmöglichkeiten

1. Dein Ziel
Formuliere für Dich ein klares, eindeutiges und positives Ziel bezüglich Deines Vorhabens/ Plans.

Richtig: Ich will den Penalty schiessen und erfolgreich den Ball im Tor versenken. (positives Ziel)
Falsch: Ich will den Penalty schiessen und ich will dabei nicht versagen. (negatives Ziel)

Richtig: Ich will meine Passqualität von Training zu Training verbessern. (eindeutiges, klares Ziel)
Falsch: Ich will der beste Passspieler des Teams werden. (unspezifisches, unklares Ziel)

Beim letzten Beispiel zeigt sich, dass ein Ziel bezogen auf die Verbesserung der eigenen Leistungen im Vergleich zur eigenen Person mehr Potenzial besitzt, als ein Ziel, welches in Relation zu anderen Menschen aufgestellt wird: Ich will besser sein als …/ Ich will der Beste sein in … . Diese Ziele erreicht niemand und verursachen immer negative Gefühle, weil es immer Menschen gibt, die besser sind als Du.

2. Bindung an das Ziel
Wenn Du Dein Ziel gefunden hast, musst Du hartnäckig an dem Ziel arbeiten. Vergisst Du Dein Ziel bzw. verlierst Du Dein Ziel aus den Augen, fängst du wieder von vorn an. Am besten ist es, wenn Du Dir Dein Ziel aufschreibst.

Ich schreibe mir meine Ziele immer auf. Sei es für das Studium, für den Blog oder für mein privates Leben. Wenn ich etwas erreichen will, notiere ich es mir auf einen kleinen Zettel und lege ihn an einen gut sichtbaren Ort.

Weiterhin solltest Du Dir überlegen, wie Du Dein Ziel erreichen möchtest. Welche Zwischenziele gibst Du Dir?

Ein Beispiel: Mein Ziel bei der U21 von GC Unihockey war es, in die Stammformation zu kommen. Hier eine Liste einiger meiner Zwischenziele:
1. 100% Leistung im Training
2. Informationen sammeln, wie die anderen Spieler spielen (Passtechnik, Schusstechnik, Lösungen aus schwierigen Situationen etc.)
3. Zusatztraining in Form von Konditions- und Krafttraining
4. …

3. Dauerhaft
Dauerhaft in Dein Ziel zu investieren hängt eng mit der Bindung zusammen. Je enger Du an Deinem Ziel gebunden bist, desto länger kannst Du investieren. Wichtig ist, dass Du nicht irgendwann aufhörst, etwas für Dein Ziel zu unternehmen. Sei immer aktiv und probiere viele verschiedene Wege aus.

4. Investitionen
Investiere Deine Energie in alles, was für Dich wertvolle Pläne und Vorhaben sind. Wie die Investitionen aussehen, ist immer unterschiedlich. Der eine Trainer schreibt ein Buch, der Andere unterhält einen Blog und ein Anderer wiederum geht in die Halle.

5. Lebensmöglichkeiten
Was kommt letztendlich raus, wenn wir alle Faktoren zusammenaddieren bzw. erfüllt haben: Eine erhöhte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bzw. mehr Lebensmöglichkeiten.

Ein ganz banales Beispiel soll es Dir zeigen: Du willst unbedingt in die Nationalmannschaft Deines Landes. Damit hast Du Dir schon ein Ziel gesetzt und wirst daraufhin verschiedene Zwischenziele formulieren und Investitionen tätigen. Wegen Deinem Aktivismus lernst Du eine Vielzahl neuer Sachen dazu, Du lernst neue Menschen kennen und es ergeben sich unterschiedlichste neue Lebensmöglichkeiten. Du hast Dir mit einem Ziel selbst die Grundlage geschaffen, Dich weiter zu entwickeln und besser zu werden.

Hast Du das Ziel Nationalmannschaft nicht, so verpasst du alle Lebensmöglichkeiten, die Dir auf dem Weg zur Nationalmannschaft gegeben werden.



Bild 2: Die Gleichung der Lebensmöglichkeiten erfüllt: Cupsieg von GC Unihockey 2011.

Literatur:
Brunstein, Joachim C.; Maier, Günter W.; Dargel, Anja (2007): Selbst und Identität: Entwicklung als personale Konstruktion. In: Brandtstädter, Jochen: Entwicklungspsychologie der Lebensspanne. Ein Lehrbuch. 1. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer, S. 270–304.
Bildquelle:
Bild 1:
http://www.clipproject.info/Cliparts_Free/Schule_Free/Clipart-Cartoon-Design-04.gif
Bild 2:
http://unihockey-pics.de/sai2010_11/pics/suicupfin_zur_wiler_z_10.jpg


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