Individualität versus Mannschaft und die Macht der kleinen Ziele

„Jeder Mensch ist einzigartig.“

Ein wunderbares Sprichwort das den derzeitigen Individualitätstrend in der Pädagogik bzw. der Gesellschaft wiederspiegelt.
Im Unihockey lautet es wie folgt: „Jeder Spieler ist einzigartig“. Das bedeutet, jeder Spieler hat eigene Interessen, Ziele, Stärken und Schwächen, auf die der Trainer eingehen sollte. Bei einem Kader von mehr als 20 Spielern ist das keine leichte Aufgabe. Dennoch kann der Trainer bei dieser Herausforderung auch an die Verantwortung der Spieler appellieren. Beispielsweise so:

Sei du selbst: Ein Team wird erfolgreich, wenn jedes Mitglied seine Einmaligkeit und seine einzigartigen Fähigkeiten erkennt, zu ihr steht und sie im Dienst der Mannschaft einbringt. Jeder Mensch ist auf diesem Planeten etwas Einmaliges. Es ist unsere Aufgabe, das Beste aus dem zu machen, was die Natur uns mitgegeben hat. (Bischoff 2008, S. 169)

Du solltest also mit Deinem Team zusammen arbeiten und jede Individualität als solche wahrnehmen, ihre Stärken im Spiel einsetzen und ihre Schwächen fördern. Zudem solltest Du Deine Spieler motivieren, die eigene Individualität zu zeigen.



Bild 1: Verschiedene Individuen sitzen an einem Tisch.

Endsaisonziele
Für viele von Euch ist das bestimmt nichts neues. Dennoch stehen bei mir immer wieder grosse Fragezeichen über meinem Kopf, wenn ein Trainer alle Spieler über einen Kamm schert und die Individualität eines Spielers übersieht. Das passiert beispielsweise bei den Mannschaftszielen. Dort heisst es immer an 1. Stelle der Ziele: „Wir wollen Meister werden“ (oder Playoffs erreichen oder gegen den Abstieg kämpfen).
Es ist logisch, dass jeder Spieler alle Spiele gewinnen möchte. Die Individualität wurde beachtet. Das Beispiel soll lediglich aufzeigen, wie schnell man Ziele festlegt, ohne dabei auf die einzelnen Bedürfnisse zu achten. Vielleicht hat ein Spieler keine Lust, Meister zu werden :)
Mit dem „Meistertitelziel“ will ich auf einen anderen Aspekt zu sprechen kommen – Der richtigen Zielformulierung. „Meister werden“ ist für mich ein „Endsaisonziel“ und repräsentiert nur das Endergebnis einer Saison:

Wenn wir in jedem Training hart arbeiten und jeder Spieler an seine Grenzen geht, dann werden wir viel lernen und wir werden bessere Unihockeyspieler, dann werden wir viele Spiele gewinnen, dann werden wir Meister!

Wieso setzt man am Ende dieser Kette an? Wieso nimmt man das unerreichbarste und weitentfernteste Glied der Kette?
Ich weiss es leider nicht.

Aber eines kann ich Dir sagen: Formulierst Du Deine Ziele am Anfang der Kette und tust Du alles für das Erreichen des Ziels, dann sind die anderen Glieder eine logische Schlussfolgerung Deines Handelns.
Wenn Du am Anfang ansetzt hast du folgende Vorteile: Du gehst in kleinen Schritten. Du hast viele Erfolge. Du siehst Deine Entwicklung. Das motiviert. Du reflektierst ständig Deine Spielweise. Du setzt dir ständig neue Ziele. Du hast ständig noch mehr Erfolge. Es wird nie langweilig.

Kleine Ziele – grosse Wirkung
Für die Praxis heisst das: Du setzt Deinem Team für jedes Training drei Ziele. In jedem Training können es neue Ziele sein. Die Ziele sollen sich an den Schwerpunkten Deines Trainings und den Fähigkeiten Deiner Spielern orientieren.
Beispiele: Volle Konzentration auf die aktuelle Handlung, Kommunikation auf dem Spielfeld, alle Schüsse kommen auf das Tor, jeder Pass ist ein sicherer Pass, ich lasse heute kein Gegentor zu, etc..
Wichtig ist, dass Du immer andere Spieler nimmst, an dem Du die Ziele festlegst. Am besten ist, Du gehst die Liste deiner Spieler durch: Im ersten Training schaust Du auf die ersten drei Spieler: Was ist das grösste Defizit des einzelnen Spielers? Schwups! Schon hast Du drei Ziele. Jetzt nur noch mit den Trainingsschwerpunkten abgleichen. Im nächsten Training nimmst Du Dir die nächsten drei Spieler vor.

Diese Methode ist ein Kompromiss, zwischen Mannschaftszielen versus individuellen Zielen. Ein extrem individueller Ansatz wäre, wenn jeder Spieler für jedes Training drei Ziele aufschreibt. Dann brauchst Du aber einen grossen Trainerstaff, der die Ziele auswertet und bewertet. Bei ca. 20 Spielern sind das 60 Ziele für jedes Training.


Bild 2: Ein kleines Ziel ist eine Stufe der langen Treppe. Ganz oben ist das „Endsaisonziel“

Hast Du schon Erfahrung mit der Methode der „kleinen Ziele“? Oder willst Du es einmal ausprobieren?
Wenn du Lust hast, kannst Du Deine Erfahrungen im Kommentarteil allen Lesern und Leserinnen mitteilen. Wir freuen uns über Dein Wissen!

Literatur:
Bischoff, Christian (2008): Mein Trainertagebuch: Das Spiel. Der Weg ; Das Leben. 1. Aufl. s.l.: Draksal Verlag.
Bildquelle:
Bild 1:
http://2.bp.blogspot.com/_00jqzLjKMh8/SrFrtwG3ZKI/AAAAAAAAG-k/sdGydBBkuYY/s400/Individualit%C3%A4t.jpg
Bild2:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/89/L%C3%BCttich_Montagne.jpg


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ich bin kein Talent."
Nadja Kamer