Das Training – Mehr als eine theoretische und gefühllose Abhandlung

Die bisherigen veröffentlichen Berichte und Übungen sind theoretisch wunderbar fassbar und verständlich. Die Beiträge ergeben alle Sinn und sind meines Erachtens einleuchtend. Die Theorie zum Unihockeytraining ist nicht kompliziert.

Man könnte daher meinen, ich habe eine theoretische Welt zum Unihockeytraining konstruiert, die abseits jeglicher Praxis steht.

Theorie und Praxis
Hier entwickelt sich ein Streit, welcher mit Sicherheit seit Anbeginn der Menschheit geführt wird. Was ist wertvoller: Die Theorie oder die Praxis? Oder wie lassen sich die beiden Bereiche miteinander kombinieren und verbinden?

Ich bin der Meinung, dass es beide Bereiche braucht. Der Erfolg von der Kombination hängt von Deinem Transferdenken zwischen Theorie und Praxis ab: Du bist verantwortlich für den Wissenstransfer in die Praxis. Der Transfer muss immer kritisch erfolgen, sodass Du immer schaust, was benötigt mein Team und was kann ich von dem präsentierten Wissen für die Teamziele einsetzen. Ein Fehler ist, wenn du unkritisch einfach das Wissen nimmst und ins Training integrierst. Du kannst Glück haben und es funktioniert. Aber in den meisten Fällen geht der Schuss nach hinten los, weil Deine Spieler ein individuell angepasstes Konzept erwarten.
Das hier präsentierte Wissen solltest Du in der Praxis auf Deine Art und Weise umsetzen. Doch bei der Umsetzung betrittst Du ein gewisses Praxisfeld, bei der die Spielregeln der Theorie nicht mehr greifen. Hier sind vor allem zwischenmenschliche Gefühle bzw. die Beziehung zu Deinen Spielern für das Scheitern oder Gelingen Deiner Interventionen zuständig.

Haben Deine Spieler ein unbewusstes/ bewusstes Missfallen gegen Dich, weil Du beispielsweise einen erfolglosen Trainerruf hast und Du Deine Spieler von Deinen Kompetenzen nicht überzeugen kannst oder zu eher unpopulären und missverständlichen Methoden greifst, dann wirst Du nie Deine Spieler zu 100% erreichen. Dein erworbenes Wissen verpufft im Niemandsland.

Wenn Du es aber schaffst, Deine Spieler in Deinen Bann zu ziehen, Du zu ihnen eine erfolgreiche Beziehung aufbaust und sie dazu begeisterst, miteinander für ein Ziel zu arbeiten, dann kannst Du Dein Wissen erfolgreich anwenden.


Bild I: Damen WM in St. Gallen: Deutschland – Finnland

Zwei Grundbedürfnisse Deiner Spieler
Doch wie baut man eine erfolgreiche Beziehung zu seinen Spieler auf? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns ins Land der Gefühle und Emotionen begeben. Carl Rogers hat in seinem Menschenbild zwei Grundbedürfnisse des Menschen definiert. Du kannst auch dazu sagen, zwei Grundbedürfnisse der Unihockeyspieler. Das ist zum einen das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit und zum anderen das Bedürfnis nach Liebe und Wertschätzung.

Das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit lässt sich super und einfach umsetzen: Gib Deinen Spieler eine Aufgabe und lass sie machen. Lass sie Handeln und interveniere nur, wenn Du merkst, dass Deine Spieler Hilfe benötigen oder die Spieler Dir ein Zeichen geben.
Das Bedürfnis nach Liebe und Wertschätzung ist ebenso ein einfaches Unterfangen, wenn Du die richtige Grundeinstellung zu Deinen Spielern einnimmst. Liebe in diesem Zusammenhang verstehe ich als ein gutes soziales Zusammenspiel der einzelnen Spieler. Die Spieler unterstützen sich auf und neben dem Feld gegenseitig, sie helfen bei Problemen oder haben einfach nur Spass miteinander. Mit Teambildungsmassnahmen kannst Du als Trainer wertvolle Anstösse geben. Wertschätzung ist die gegenseitige Anerkennung von Erfolg. Überlege einmal: Wann warst Du in der Vergangenheit besonders motiviert? Wenn Dein Chef zu dir gesagt hat, dass du etwas besonders schlecht gemacht hast oder wenn er gesagt hat, dass du etwas besonders gut gemacht hast?


Bild II: Damen WM in St. Galle: Deutschland – Finnland

Deine Antwort fällt hoffentlich auf den letzten Teil. Es ist viel einfacher Menschen zu motivieren, wenn Du sie auf ihre guten und erfolgreichen Taten aufmerksam machst. Die meisten Spieler haben ein sehr negatives Selbstbild und suchen nach solchen positiven Feedbacks. Gib ihnen das benötigte Feedback/ die benötigte Wertschätzung und sie wachsen über sich hinaus.

Du kannst klein Anfang: Lobe …
…einen guten Pass bzw. die allgemein gute Passqualität,
…ein Abschlussversuch,
…ein intelligentes Laufen ohne Ball
… ein gutes Dribbling,
…eine gute Ballannahme,
…einen gewonnen Zweikampf,
… etc.
Die Liste lässt sich nach Belieben fortsetzen.

Angst
Jetzt können trotz aller beachteten Umstände und positiver Unterstützung und Wertschätzung bei Deinen Spielern negative Gefühle entstehen. Beispielsweise die Angst. Die Angst den nächsten Zweikampf zu verlieren, den nächsten Fehlpass zu spielen, das Tor nicht zu treffen, den Ball nicht zu fangen etc..
Hier hilft auch wieder eine positive Sichtweise auf die negative Emotion. Dazu gibt Christian Bischoff eine super Idee, welche unglaubliches Entwicklungspotenzial Angst besitzt:


Bild III: Damen WM in St. Gallen: Schweiz – Polen. Wer hat hier wohl vor wem Angst?

Die Angst ist dein Freund. Manchmal sagen dir deine Ängste, was du nicht tun solltest – meistens sagen sie dir aber genau das, WAS DU TUN SOLLTEST. Jedes Mal, wenn du deinen Ängsten ausweichst, vergrösserst du sie und blockierst deine eigene Entwicklung. (Bischoff)

Konfrontiere und stelle Dich Deinen Ängsten/ Konfrontiere Dein Team mit ihren Ängsten. Sie machen Dich/ Euch stärker!

Bildquellen
Bild I
http://unihockey-pics.de/wfc2011/pics/vorr_fin_ger_b8.jpg
Bild II
http://unihockey-pics.de/wfc2011/pics/vorr_fin_ger_i6.jpg
Bild III
http://unihockey-pics.de/wfc2011/pics/vorr_pol_sui_f8.jpg


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Nadja Kamer