Leben im Moment

Die Achtsamkeitspraxis ist eine sehr alte Lehre, die leider in unser heutigen postmodernen Gesellschaft oft vergessen wird. Die schnelllebige Zeit, in der uns u.a. die Werbung ein anzustrebendes Lebensideal präsentiert, welches fernab von jegliche Vernunft liegt, lässt unsere Gedanken immer wieder in die Zukunft schweifen: Bei welcher Aktion erhalte ich den besten Profit? Wie komme ich an das nächste Statussymbol? Bin ich noch etwas wert, wenn ich mal nicht das Neuste habe? … Oder auch in die Vergangenheit: Ach wie schön ist es früher gewesen?

Es fehlt sehr häufig die Achtsamkeit auf die Gegenwart. Hier habe ich ein schönes Lied von Gerhard Schöne, der dieses Leben im Moment thematisiert. Es geht um einen vom Alltag gestressten Sohn, der seinen Vater besucht und von ihm einen wunderschönen Lebenstipp erhält:

Auch im Unihockey kann ich sehr oft beobachten, dass Spieler mit ihren Gedanken nicht auf dem Spielfeld sind.

Folgendes Beispiel aus meiner Traineraktivität: Ich habe mit meinen Spieler folgendes Blatt besprochen und immer wieder im Training geübt: Fokus auf den Moment (Klicken und herunterladen)
In eines der letzten Saisonspiele gegen das stärkste Team der Liga setzt das Team den „Fokus auf den Moment“ sehr gut um. Mein Team schiesst 20 Sekunden vor Schluss den 2:2 Ausgleichstreffer. Alle freuen sich über diesen unheimlich wichtigen Treffer gegen einen viel stärkeren Gegner. Als die Spieler wieder auf die Bank kommen, höre ich die ersten schon sagen: „Cool, jetzt haben wir einen Punkt! Die letzten 20 Sekunden überstehen wir auch noch.“

FEHLER! Die Gedanken waren in die Zukunft gerichtet! Und prompt kassiert mein Team vier Sekunden vor Schluss das 3:2. Wir stehen am Ende ohne Punkte da. Dennoch haben die Spieler ein wichtige Lektion gelernt: Der Fokus auf den Moment ist nicht nur 59:40 Minuten zu halten, sondern die gesamten 60 Minuten lang.

Bildquelle
©Marco Galle


3 Antworten auf „Leben im Moment“


  1. 1 WennIchSchreibe-SchreibeIch 01. Juni 2012 um 20:50 Uhr

    Schöner Artikel zu einem höchst erforschenswerten Thema: Der Weg der Achtsamkeitsübung in den Flow.

    Es gibt keine grössere Kraft als reine Präsenz, denn darin ist man nicht mehr „Ich“ oder „Ich handle“, sondern man ist verbunden mit dem was bereits ist. Man kann auch sagen: man ist in dem was bereits ist, anstatt in der Re-Aktion auf das was erlebt wird.
    Michael „Air“ Jordan sagte, dass er oft schon im Ansprung zum Korbwurf weiss, dass der Ball reingehen wird, dass sein Körper in den Wurf hineingeführt wird.

    Man kann es auch als die spirituelle, mystische Seite des Sports bezeichnen. Und vielleicht entwickeln wir uns tatsächlich irgendwann in eine Gesellschaft hinein, wo „der Buddha“ nicht mehr für den Pokalsieger in Deuschland vergeben wird, sondern an den achtsamsten, präsentesten Spieler…

  2. 2 Marco Galle 01. Juni 2012 um 21:20 Uhr

    Danke viel mal!
    Ja ich finde das Thema auch sehr spannend. Ist ja auch unschwer zu erkennen ;) Mentaltraining bringt nicht nur den Spieler unheimlich viel im Unihockey, sondern auch im gesamten Leben. Es gehört für eine ganzheitliche Ausbildung einfach dazu. Leider haben das noch nicht so viele Juniorentrainer erkannt. Sie zählen lieber auf wissenschaftlich fundierte Trainingseinheiten, ohne die Gedanken mit einzubeziehen. Ein gesunder Mix aus den „harten“ und „weichen“ Fakten schafft für mich das perfekte Training.
    Und das Schönste am Mentaltraining ist, es gibt keinen goldenen Weg, den jeder gehen kann. Jeder muss für sich selbst herausfinden, wie er das gesagt umsetzt. Ein interessanter Prozess in der Persönlichkeitsentwicklung nimmt damit seinen Lauf und geht natürlich auch durch Höhen und Tiefen. Der Lohn ist nicht unbedingt ein Pokal, sondern eine stärkere Persönlichkeit ;) Pokale sind dabei nur Nebensache und logische Folge.

  1. 1 Beitragsreihen in Mentalbereich | Floorballtraining und Unihockeytraining Pingback am 17. April 2012 um 8:35 Uhr

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