Renato Wyss – Emotionale Antiautoritär


Renato Wyss – Ein emotionaler Antiautoritär ist mit Leib und Seele Unihockeytrainer.

Renato Wyss ist ein Urgestein des Schweizer Unihockeys. Er ist seit 1989 im Trainergeschäft tätig. Anfangs machten ihn berufliche Pläne oft ein Strich durch die Trainerlaufbahn. Seit 2005 ist Wyss regelmässig auf der Unihockeybühne anzutreffen und in den unterschiedlichsten Mannschaften aktiv. Er hinterliess nicht nur in diverse Schweizer Vereinen seine prägende Handschrift, sondern auch in verschiedensten Nationalmannschaften Europas. Seine grössten Erfolge sprechen für ihn: 2008 B-Weltmeister mit Deutschland Herren, 2008/09 Aufstieg mit Lok Reinach in die SML und 2009/10 Ligaerhalt mit Lok Reinach in der SML (Anmerkung: SML ist die höchste Schweizer Liga).
Seine neuste Trainerstation ist der frisch gebackene SML-Aufsteiger Unihockey Mittelland. In dem Team spielen unter anderem auch die deutschen Nationalspieler Manuel, Dominic Mucha und Joel Gysin, sowie der Este Roman Pass und der italienische Internationale Gianluca Amstutz. Nebenbei ist er Nationaltrainer Österreichs.
(Willst du mehr zu Renato wissen, dann klick hier und lade dir seinen Unihockeylebenslauf herunter.)

Unihockeyuebung.blogsport.de möchte Wyss Trainerpersönlichkeit genauer auf den Zahn fühlen: Wo sieht er seine Stärken, wie bereitet er sich auf Spiele vor, was hält er von Kreativität und Abwechslung im Training und zu vielen weiteren spannenden Fragen nimmt er Stellung. Du darfst gespannt sein.

Unihockeyvergangenheit

Unihockeyuebung.blogsport.de: Hallo Renato. Erst einmal vielen Dank für deine Bereitschaft. Du hast bis zu deinem 20. Lebensjahr Leistungssport betrieben und ein Jahr konntest du selber den gelochten Ball hinterher jagen. Kannst du aus der aktiven Sportlerzeit bestimmte Eigenschaften und Kompetenzen mitnehmen, die für dich als Trainer immer noch relevant sind?

Renato: (lacht) Ja als Leistungssportler war ich 10 Jahre im Orientierungslauf aktiv. Ein Jahr spielte ich Kleinfeld bei UHC Dietlikon bevor ich nach drei Fussoperationen Sportinvalid wurde. Dennoch hat mich die Zeit einiges gelehrt. Willens-, Motivationsstärke und mentale Stärke sind drei wichtige, ja ich kann fast schon sagen Lebensbereiche, aus meiner Vergangenheit, die mir in meinen Trainerjobs und im Beruf weiter helfen.
Ebenso schätze ich die Erfahrung, seine eigenen persönlichen Leistungsgrenzen zu testen und zu spüren. Und sich trotz Rückschläge immer wieder aufzurappeln und zu sich selbst zu sagen: „Gibt niemals auf!“

Eigenschaften deiner Trainerperson

Das sind wahrlich wichtige Erfahrungen die du da sammeln konntest. Wie würdest du deine Trainerpersönlichkeit beschreiben?

Ich bin ein antiautoritärer Trainer, der die Menschen in den Vordergrund stellt. Die Spieler möchte ich darauf sensibilisieren, dass es Jeden braucht im Team, egal was für Fähigkeiten er besitzt! Zudem würde ich mich als ein sehr emotionalen Coach beschreiben, der sich vollends in seine Arbeit vertiefen kann und mit Leib und Seele den Unihockeysport lebt.
Weiterhin liebe ich die Herausforderung Teams zu trainieren, die auf dem Papier schlechte Karten haben und von den meisten Konkurrent schon abgeschrieben sind. Hier liegt auch eine Stärke von mir: Aus schlecht abgestempelten Spielern Unmögliches aus Ihnen herauszuholen. Ich kann zudem im Spiel richtige taktische Entscheidungen treffen, indem ich u. a. die Stärken und die Schwächen meiner Spieler sehr gut lesen und interpretieren kann.

Was ist deine Trainingsphilosophie?

Da kann ich mein Lebensmotto dazu zählen: „Weniger ist mehr!“
Eine gute Qualität im Training, im Umgang mit den Spielern eigentlich im ganzen Unihockey hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Damit können Ressourcen effizienter genutzt werden. Das ist beispielsweise bei der Ausnutzung der Hallenzeiten wichtig. Die Trainingszeit muss optimal genutzt werden. Das heisst unter anderem: Viel Bewegung im Training. Ich lege sehr viel Wert auf Taktik, Spielen und Förderung koordinativen Fähigkeiten. Weiterhin suche ich immer ein gesundes Verhältnis zwischen Spass und professionellen Handeln.

Trainerarbeit

Gut kommen wir jetzt zu deiner Arbeit als Trainer. Da würde mich erst einmal interessieren, ob du persönliche Rituale vor dem Training oder vor einem Spiel pflegst?

(Schmunzelt) Nein überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, dass du die eigene Fähigkeit haben musst, immer wieder Neues zu kreieren.

Und was zeichnet deine Spielvorbereitung aus?

Mir liegen kurze prägnante Analysen des Gegners und den Aufgaben für die Spieler am Herzen. Im richtigen Moment situativ richtig die Spieler einstellen ist immer wieder eine spannende Herausforderung vor einem Spiel. Das ganze muss abwechslungsreich ablaufen. Das heisst immer wieder den richtigen Ton zu finden!

Mit der angesprochenen Kreativität und Abwechslung erwähnst du zwei wesentliche Botschaften von Unihockeyuebung.blogsport.de. Der Blog hat zum Ziel, die Trainerkultur im deutschsprachigen Gebiet zu aktivieren. Wo siehst du die drei wichtigsten Entwicklungsmöglichkeiten im Unihockey?

Erstens muss die Schweizer Politik dazu motiviert werden, flächendeckend mehr Hallen zu bauen. Zweitens sollten steuerliche Anreize für alle ehrenamtliche Helfer im Sport geschaffen werden. Und drittens müssen professionell geführte Sportschulen mit anerkannten Ausbildungsmöglichkeiten für Spieler/ Spielerinnen aufgebaut werden.

Deine Spieler

Nach diesem sehr attraktiv tönenden Dreipunkteplan kommen wir wieder zum eigentlichen Trainergeschäft zurück: Die Arbeit mit deinen Spielern. Welche Spielertypen hast du am liebsten?

Spieler die eine grosse Spielintuition besitzen, eine grosse Selbsteinschätzung haben und Willensstärke beweisen.

Welchen Spieler willst du unbedingt in deinem Team?

Andreas Gahlert (Jona Uznach Flames) und Fredrik Holtz (Storveta)

Was würdest du einem jungen Juniorenspieler mit auf dem Weg geben?

Sie müssen lernen sich in allen Bereichen selber einzuschätzen. Ebenso sind gutes Planen von Tagesabläufe zentral, damit Sport, Beruf, Schule, Familie und Freunde in Einklang gebracht werden. Und natürlich sollten sie sich auch nach dem Training viel mit dem Schläger und Ball beschäftigen.

Dein Staff

Wie gross ist dein Trainerstaff?

Das hängt davon ab in welcher Liga ich gerade tätig bin. Meine Wunschgrösse ist drei bis vier.

Wie wären idealerweise die Rollen in deinem Staff verteilt?

Es gibt bei mir drei Rollen: Erstens der Taktikfachmann, zweitens der Konditionsfachmann und drittens die medizinische Fachkraft.

Was erwartest du von jedem Mitglied deines Staffs?

Ich erwarte das Einbringen der persönlichen Fähigkeiten und Erfahrungen in die Mannschaft und das der Teamgedanken im Vordergrund steht.

Welches war dein genialster Coachingtrick?

Ich habe in der 28. Minute im B-WM Final 2008 mit Deutschland gegen Polen ein Time-out genommen. Wir führten nach dem 1. Drittel 4:1 und brachen kurzfristig im 2. Drittel ein. Polen nützte die Schwächephase und glich zum 4:4 aus. Schlussendlich entschieden wir die Finalparty für uns.

Welches Team würdest du am liebsten trainieren?

Irgendeine Nationalmannschaft der Schweiz.

Welcher Trainer soll als nächstes interviewt werden?

Magnus Svensson von GC Unihockey

Vielen Dank für deine ausführlichen Information und viel Spass und Erfolg bei deinem neuen Trainerjob in Mittelands SML-Abenteuer.


1 Antwort auf „Renato Wyss – Emotionale Antiautoritär“


  1. 1 Yves Kägi 26. September 2012 um 15:00 Uhr

    White man rocks…:-)

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