Angst vs. Selbstvertrauen

Angst und Selbstvertrauen – Zwei gegensätzliche Pole die in jeder Altersklasse und jeder Liga auftauchen. Selbst Mika Kohonen, finnischer Nationalspieler und Titelverteidiger der WM Krone, muss gegen Ängste kämpfen und eigenes Selbstvertrauen aufbauen. Was wohl in einem solchen routinierten Weltklassespieler vor dem kommenden WM (Halb-)Final vorgeht? Höchstwahrscheinlich ein Kampf zwischen leistungsbremsenden Ängsten und dem leistungssteigernden Selbstvertrauen.


Angst oder Selbstvertrauen?
Bild 0: Den Sieg vor Augen oder doch vor dem Abgrund? Mit blossen Augen sehen wir einiges auf dem Spielfeld. Doch was in jeden einzelnen Spieler genau abläuft (Gedanken), bleibt uns verborgen.

Angst

Angst – Wer hat das nicht? Angst vor einem Referat? Angst vor dem Spielbeginn? Angst vor einem Abschluss? Angst in entscheidenden Situationen zu versagen!

Ob jung oder alt, Angst ist allgegenwärtig. Die einen Menschen haben sie weniger, die anderen mehr. Viele haben gelernt, sie zu kontrollieren und mit kleinen Gedankenspielen und mentalen Tricks zu überwinden. Auch in der Trainingshalle ist immer Angst. Es liegt auf der Hand, dass diejenigen Spieler, welche die Ängste kontrollieren können, mehr und besser lernen. Aber es liegt nicht alles in der Hand des Spielers. Der Trainer muss auch etwas tun. Er muss eine angstfreie Lernatmosphäre schaffen:

Angstfreiheit und praktisch garantierter Erfolg sind mächtige […] Mittel, ein erwünschtes Verhalten – und damit in aller Regel eine langsam steigende Spirale von positiver Erfahrung, immer stabilerer Verhaltensbereitschaft und wachsendem Können – in Gang zu setzen (Aeschbacher, 1989, S. 200).

Ängste blockieren den Spieler. Ängste machen aus einem sehr guten Spieler einen Schlechten. Darum ist es für die Entwicklung des Unihockeyspielers umso wichtiger, im Training einen angstfreien Lernraum zu schaffen. Wird dieser noch mit regelmässigen positiven Feedbacks angereichert, ist eine optimale Lernatmosphäre gestaltet. Diese Erkenntnis ist nichts neues, doch gerät sie regelmässig in Vergessenheit.

Doch wie können Ängste bei einem Unihockeyspieler entstehen? Hierzu gibt es unendlich viele Einflussfaktoren (Mobbing, Druck, zu hohe Erwartungen etc.). Ein Faktor ist fehlendes Selbstvertrauen.


Angst oder Selbstvertrauen?
Bild 1: Angst vor der Niederlage? Oder hat Maffioletti doch das nötige Selbstvertrauen einen Rückstand wieder aufzuholen?

Selbstvertrauen

Fehlen die regelmässigen positiven Feedbacks oder wird der Spieler ständig vom Trainer kritisiert, zu Recht gestutzt oder sogar angeschrien, so kann sich unter diesen Bedingungen kein Selbstvertrauen aufbauen (Anerkennung). Selbstvertrauen ist lernbar und bedarf einer langjährigen Entwicklung, die der Trainer massgeblich beeinflussen kann.

In dem Fall, dass der Trainer ständig seine Schützlinge kritisiert, gehen sie mit einem negativen Gedanken auf das Feld: Bloss keine Fehler machen. In dieser Aussage steckt Angst – Angst vor dem Trainer. Und Angst blockiert, wie schon gesagt, die Leistungsfähigkeit des Spielers. Die negative Spirale nimmt hier seinen Anfang.

Negativspirale?
Bild 2: Ist Wittwer schon in der Negativspirale? Oder schafft er noch die Wende?

Warum soll der Spieler nicht durch regelmässige positive Unterstützung aufgebaut werden, bspw. mit anerkennenden Tipps und Verbesserungsvorschlägen (Menschenführung)? Ist es nicht schöner anzusehen, wenn der Spieler sich in einer positiven Gedankenspirale befindet und mit breiter Brust auf das Spielfeld läuft. Er kann zu sich selber ruhig sagen: „I bi en geiler Siech.“

Die Leute sagen mir ich schaff‘s nicht/
Zum Glück habe ich es nie geglaubt/
Ich bin immer nur meinen Weg gegangen/
und deshalb bin ich stolz auf mich! (Samy Deluxe)

Stolz auf sich selber sein. Die Kritiken und negativen Ereignisse vergessen und einfach mal nur das Positive sehen. Das ist das Motto von Samy Deluxe, deutscher Aussnahmerapper, in seinem Lied „Stolz auf mich“.

Diese Einstellung würde viele Junioren aus ihren Schneckenhäusern holen. Aus schüchternen und verhaltenen Spielern werden plötzlich Persönlichkeiten, die auf dem Spielfeld beachtet werden. Was für ein Vorteil, wenn der Spieler mit erhobenem Kopf über das Spielfeld rennt. Er macht Eindruck und wird weniger bzw. zögerlicher angegriffen als Spieler mit gesenkten Köpfen.

Mit breiter Brust!
Bild 3: Mit breiter Brust geht es in den nächsten Zweikampf – Nico Scalvinoni

Christina Bischoff bringt das Selbstvertrauen mit anderen Worten auf den Punkt:

„SELBSTVERTRAUEN – Die Kunst, Dein Ding zu machen“ (Christian Bischoff)

Selbstvertrauen ist keine Überheblichkeit

ABER: Das Selbstvertrauen ist keinesfalls mit Überheblichkeit zu verwechseln. Selbstvertrauen ohne Überheblichkeit ist bspw., wenn du dich im Spiegel anschaust und zu dir sagen kannst: „Alles was ich hier sehe, ist mein Fehler.“ Du zeigst damit, dass du dich so akzeptierst wie du bist – Mit all deinen Fehlern. Wenn du jetzt einen nächsten Schritt gehst, dann übernehme ab sofort die volle Verantwortung für dein Handeln auf und neben dem Feld (Pack es an!).

„Erfolgreiche Menschen haben nie erfolgreich nach Ausreden gesucht.“ (Ernst Ferstl, *1955, österreichischer Dichter)

Die Schuldsuche bei den Mitspielern, Schirris, Trainern etc. ist vorbei! Wenn ein Fehler auf dem Feld passiert, dann bist du genau so Schuld daran, wie deine Mitspieler. Doch das ist eine andere Geschichte und soll in einem weiteren Beitrag beschrieben werden!

Fazit

1. In einem angstfreien Training können deine Spieler durch positive Unterstützung ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen, das in einem gesteigerten Verantwortungsbewusstsein mündet.

2. Und ich bete jeden Abend zum Unihockegott, dass Mika Kohonen und sein Team so viel Angst vor dem Schweizer Team hat, dass die Eidgenossen endlich den Sprung ins Finale schaffen und vor heimischem Publikum den Pott holen. Viel Glück bei der Mission! Hopp Schwiiz!


Literatur:
Aeschenbacher, U. (1989). „Resziprokes Lehren“. Eine amerikanische Unterrichtsmethode zur Verbesserung des Textverstehens. Beiträge zur Lehrerbildung, 1989(2), 194-204.

Bildquellen:
Bild 0, Bild 1, Bild 2, Bild 3


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