Magnus Svensson – Der aktive Pragmatiker

Ein Schwede kam, sah und siegte. Wie einst Caesar ist Svensson ein Mann, der gern anpackt und die Sachen umkrempelt. Unihockeyuebung blickt hinter die Kulissen des „aktiven Coachs“ und deckt einige einfache Formeln seines erfolgreichen Trainerstils auf.


Porträt Magnus Svensson

Magnus Svensson (Lebenslauf) ist seit drei Jahren Cheftrainer der SML-Mannschaft vom Grasshopper Club Zürich (GC Unihockey). Dabei lebt er den Traum von vielen Unihockeyanern: Er ist bei GC Unihockey als Trainer angestellt. Zusätzlich kümmert er sich um eine professionelle Ausbildung von Spielern und Trainern der U21, U18, U16 und U14 von GC Unihockey. Der Schweizer-Cup-Sieger von 2011 erzählt bei einem der besten Zürcher Bäcker von seinem Coaching:

Eigenschaft deiner Trainerperson

Unihockeyuebung: Merci vielmal für deine Zeit und Bereitschaft. Du stehst mit deinem Team im Halbfinale und giltst nach dem Ausscheiden von Top-Favorit Wiler-Ersigen als ein potentieller Anwärter auf den Meistertitel. Deine Arbeit scheint sich auszuzahlen. Unihockeyuebung möchte hinter deine Kulisse blicken: Was zeichnet deine Trainerpersönlichkeit aus?

Magnus Svensson: Ich bin mit Leib und Seele Trainer. Meine Ex-Freundin hat mir einmal gesagt, dass ich mich zu Hause immer noch wie ein Coach verhalte. Ich mag es, eine Führungsperson zu sein und Entscheidungen zu treffen.
Es kommt hinzu, dass ich ein Leistungsmensch bin. Ich liebe den Wettbewerb und die sportlichen Herausforderungen. Darum trainiere ich nur aktive Herrenteams. Bei meiner ersten Station in der Schweiz, WaSa (St. Gallen), baute ich ein komplett neues Team auf. In Lok Reinach wollten und sind wir aufgestiegen und mit GC Unihockey ist das Ziel, am Ende der Finalserie den Meisterpott in die Höhe zu stemmen.
Ich mag Leistungsziele und bin selber sehr zielstrebig. Dies paart sich mit einer klar strukturierten Planung und Handlung. Ich stelle mir immer einen Plan auf, ob für das nächste Training, für die nächsten Wochen oder über die gesamte Meisterschaft. Ziel ist es dann, diesen Plan umzusetzen. Dabei kann ich ein richtiger „Sturkopf“ sein (schmunzelt).
Mein persönliches, oberstes Ziel ist die Entwicklung jedes einzelnen Spielers und des Teams. Ich möchte die Spieler voranbringen und das Team auf ein höheres Level führen.

Mit dieser Entwicklung sprichst du meine nächste Frage an. Wie würdest du deine Trainerphilosophie beschreiben?

Mhh. Das ist schwierig. Philosophie ist ein sehr breites Wort. Es bedeutet alles und auch wiederum nichts. Ich interpretiere deine Frage pragmatisch: Wie gebe ich Training bzw. wie coache ich?
Ich habe einen Plan, eine Idee, wo ich hin möchte. Daran wird alles ausgerichtet: die Trainingsvorbereitung, -planung etc. Dann hole ich das Beste aus den Trainings heraus. Die Qualität des Trainings ist ein ausschlaggebender Punkt. Mein Team trainiert drei Mal in der Woche. Da muss jedes Training sehr gut sein. Die genaue Auswertung der Trainings gehört dabei genauso zu meinen Aufgaben wie die Planung.
Die Trainingsinhalte werden an den Meisterschaftsspielen orientiert. Passiert an den zurückliegenden Spielen etwas, was nicht in meinen Plan passt, so wird das im Training thematisiert.
Was ich noch sehr wichtig finde, ist Kontinuität und Ausdauer meiner Spieler. Kontinuität bedeutet für mich, meinen Plan durchzuziehen und ihn nicht nach einem Monat zu vergessen. Klar wird er noch an unerwartete Umstände angepasst, aber die Grundidee bleibt dieselbe.
Die Ausdauer ist ein zentrales Element im Unihockey. Technik und taktische Elemente sind auch wichtig. Aber wenn ein Unihockeyspieler nicht mehr rennen kann, dann hilft die beste Technik nicht mehr weiter.
Noch etwas ganz anderes: Mein Coachingstil ist sehr aktiv. In Schweden ist ein anderer Stil sehr populär: Der Trainer steht mit verschränkten Armen hinter seinen Spielern und lässt das Spiel laufen. Bei mir läuft das anders. Ich möchte Einfluss nehmen auf meine Spieler. Wenn es gut läuft, nehme ich mich gern zurück. Wenn es nicht gut läuft beginnt meine Arbeit.


Magnus Svensson: Der aktive Pragmatiker.

Deine Trainerarbeit

Pflegst du persönliche Rituale vor dem Training und vor dem Spiel?

Allgemein mag ich es nicht, wenn ich zu viel Zeit in der Halle verbringe. Ich komme immer 5 bis 10 Minuten vor einem Termin in die Halle. Damit kann ich meinen Fokus erhalten. Abgesehen von meinem Red Bull light im Spiel und meinem Kaugummi (lacht), wie du im Film schön gezeigt hast, gibt es bei mir keine besonderen Rituale.

Was zeichnet deine Spielvorbereitung aus?

Meine Spielvorbereitung ist auch nichts Besonderes. Die Woche beginnt mit einer Theorieeinheit. Wir werten mit einer Videoanalyse das vergangene Spiel aus und setzen neue Ziele für die Zukunft. Nach den Zielen wird auch das Training aufgebaut.

Wo siehst du die drei wichtigsten Entwicklungsmöglichkeiten vom Schweizer Unihockey?

Ich sehe ein grosses Entwicklungspotential in der Kommunikation. Die Internetseite von GC war vor einigen Monaten schrecklich. Jetzt ist sie eine der besten im Schweizer Unihockey. Auch die Verbandsseite ist im Vergleich zur schwedischen Seite nicht akzeptabel.
Ein zweiter Punkt, der mit der Kommunikation zusammenhängt, sind die Zuschauer. Unihockey braucht mehr Aufmerksamkeit und mehr Zuschauer. Dafür muss eine intensivere Medienarbeit gepflegt werden.
Der dritte Punkt richtet sich an die Leute selbst. Im Schweizer Unihockey schaut man gern nach Finnland oder Schweden und staunt, wie gut die es haben. Das ist meiner Meinung nach nicht nötig. Die Schweizer arbeiten genauso hart und sehr professionell wie die Menschen im Norden. Es gibt zudem Potentiale in der Schweiz, die Schweden und Finnland nicht haben. Das ist die buntgemischte Zusammensetzung der verschiedenen Nationen. Die verschiedenen Erfahrungen, die da miteinander zusammenfliessen, ist eine Stärke des Schweizer Unihockeys. Darauf kann man dann auch mal stolz sein.

Deine Spieler

Welche Spielertypen hast du am liebsten?

In einem Team sind mir Spieler wichtig, die eine Fähigkeit exzellent können, aber auch komplette Spieler, die konstant in allen Bereichen ein hohes Level erreichen. Ein kompletter Spieler ist Michael Zürcher.
Auch bedeuten mir Spieler viel, die ihren Sport lieben und auch nach vielen Jahren Unihockey immer viel Begeisterung versprühen und andere anstecken. Das sind in meinem Team bspw. Luca Maffioletti oder Ales Jakubek.
Doch am liebsten habe ich Spieler mit dem gewissen Etwas. Spieler, die etwas können, was nicht kopiert werden kann und nicht durch viel Training erreicht wird. Es ist einfach da. Ein solcher Spieler ist Christoph Meier.

Welche Spieler willst du unbedingt in deinem Team?

Einen habe ich schon: Michael Zürcher.
Wenn ich einen aus der Schweiz wählen würde, wäre es Emanuel Antener. Er ist ein spektakulärer Spieler auf hohem Level.
Aus Schweden hätte ich gern den derzeit besten Spieler im Unihockey: Johan Samuelsson.

Was würdest jungen Juniorenspielern auf den Weg geben?

Erst einmal: TRAINING. Training, Training und noch mehr Training, solange der Körper es mitmacht. Um in einer Tätigkeit exzellent zu sein, braucht man ca. 10’000 Übungsstunden. Dabei sollten die Freunde und die Schule so gemanagt werden, dass immer Zeit zum Training bleibt.

Dein Staff

Wie gross ist dein Trainerstaff?

Mein Staff besteht aus vier Leuten: Patrick Pons ist mein Assistent. Sein Spezialgebiet ist die Taktik. Cédric Progin ist mein zweiter Assistenztrainer und auf den physischen Bereich spezialisiert. Als Physiotherapeutin macht Géraldine Müller einen super Job. Für den organisatorischen Bereich ist Martin Widmer zuständig.

Wie wären idealerweise die Rollen in deinem Staff verteilt?

Die Aufteilung der Aufgabenfelder in meinem Staff ist perfekt. Alle arbeiten super und füllen ihre Rolle zu 100% aus.

Welches war dein genialster Coachingtrick?

Für mich gibt es keine Tricks. Alles ist Resultat von meinem Training, meinem Plan und dessen Umsetzung.

Die Antwort passt zu deiner pragmatischen Art. Ok, dann erzähl mir doch, warum ihr den Cup geholt habt?

Unser Stichwort waren damals die Emotionen. Mein damaliger Assistent, Sascha Rhyner, schnitt ein Video zusammen, auf dem Familien und Freundinnen Glückwünsche an die Spieler schickten. Es waren eine Menge Emotionen da und wir waren bereit für den Kampf.
Allerdings war nach dem Cup die Luft raus und die Formkurve ging runter. Das Playoff-Halbfinale verloren wir dann klar gegen Malans.

Welches Team würdest du am liebsten trainieren?

Darf ich von allen Teams von der ganzen Welt wählen?

Jep. Von schwedischen Topclubs bis zu Nationalmannschaften.

Gut, wenn das so ist, würde ich GC Unihockey wählen.

Wirklich? Kein Nationalteam oder ein deutsches Team? Leipzig soll eine sehr schöne Stadt sein.

(Schmunzelt) Nein, GC ist für mich der perfekte Verein.

Das ist ein klares Statement. Zum Abschluss kannst du einen Trainer wählen, der als nächstes interviewt werden soll.

Ich habe da zwei Namen für dich: Der Erste ist unser U21 -Trainer Maurizio Mastropietro (Mauri). Er startete mit einem ein bis zwei Jahr jüngeren Team in die Saison und verlor die ersten vier Spiele in der Meisterschaft. Eine grosse Krise mit schlechten Zukunftsaussichten. Jetzt steht er im Playoff-Finale und konnte Titelverteidiger Wiler-Ersigen aus den Playoff kicken (Stand: 26.03.2013). In dieser Mannschaft zeigt sich der Effekt seines Handelns.
Ein weiterer interessanter Trainer ist Rolf Kern, Trainer von Rychenberg Winterthur. Eben dieser Mannschaft, die Wiler-Ersigen aus den Playoffs kickte (Bericht)

Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg gegen Köniz.

Magnus Svensson steht zurzeit im medialen Fokus:
Interview im Tagesanzeiger
Interview im Schweizer Unihockeymagazin (Unihockey.ch)


1 Antwort auf „Magnus Svensson – Der aktive Pragmatiker“


  1. 1 Nauru 31. März 2013 um 17:14 Uhr

    Its like you read my mind! You seem to know so much about this, like you wrote the book in it or something. I think that you could do with some pics to drive the message home a little bit, but other than that, this is fantastic blog. A great read. I‘ll certainly be back.

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