Lernen soll Schmerzen verursachen?!

Bereits zum zweiten Mal ging es für mich nach Donauwörth. Der Trainerkurs drehte sich nicht wie beim letzten Mal um Kinder- und Jugendfloorball, sondern um Mentaltraining, Kommunikation und Taktik. Geschmückt mit praktischen Elementen versuchte ich die Theorie bestmöglich zu präsentieren. In den Praxisteilen konnten sich dann die TrainerInnen sich selbst erproben und kleine Übungen planen und durchführen. Das stets konstruktive Feedback wird der Entwicklung von den Trainern ungemein helfen.

Im letzten Theorieteil ging es in einem offenen Diskussionsforum um Probleme und Herausforderungen im Training. Es wurde über selbstgewählte Herausforderungen und Probleme diskutiert und Lösungen gesucht. Die sehr spannenden Ideen findet ihr in diesem PDF .

Im Diskurs um Lösungen, wie man mit leistungsheterogenen Gruppen umgehen soll und sie sozusagen zu einer teamfähigen Mannschaft formt, sind interessante Ansätze vorgetragen worden. Zum Beispiel wird den Spieler im Trainingsspiel eine Aufgabe gestellt. Sie müssen vor einem Torerfolg alle den Ball einmal gespielt haben. Wenn daraufhin ein Tor geschossen wird, zählt das Tor dreifach. Somit wird der Fakt, dass alle Spieler den Ball berühren sollen, wichtiger gewertet, als wenn bspw. der beste Spieler mit einer Egovariante durch die Reihen tänzelt und das Tor schiesst.

In diesem Zusammenhang viel die Aussage: „Der Mensch lernt nur über Schmerzen.“ Auf dem ersten Blick ist dies ein recht hartes, für die moderne Pädagogik veraltetes Ideal. Denn die Trainer sollen in der heutigen Zeit nicht mit der Peitsche in der Hand die Kinder strafen, wenn sie etwas falsch machen. Allerdings kann das Zitat, wenn man das Wort Schmerz relativiert und nicht auf die physische Komponente bezieht, auch für die moderne Pädagogik und für das heutige Training seine Berechtigung haben. Diese Hypothese möchte ich mit dem obigen Bspw. bekräftigen.

Überlegen wir doch einmal die Wahrscheinlichkeit, inwiefern der sehr gute Spieler in einem normalen Trainingsspiel, ohne zusätzliche Aufgaben, den Ball zu seinen schwächeren Spielern passt. Höchst wahrscheinlich nicht so oft. Durch gutes Zureden und der Offenlegung des Mannschaftsgedankens und des Teamspirits könnte man kurzfristige Erfolge erzielen, sodass der starke Spieler den Ball öfters abgibt. Allerdings haben mir meine Erfahrungen gezeigt, dass nur wenige Spieler eine solche persönliche Stärke verfügen und menschlich klug handeln. Die meisten argumentieren einfach damit, dass man da eh den Ball verliert und darum das Passspiel keinen Sinn macht.

Nun legt der Trainer aber die Regel fest, dass ein Tor drei Mal mehr Punkte zählt, wenn alle Spieler den Ball vorher gespielt haben. In diesem Sinne erlebt der starke Spieler bei einer Egoaktion einen „Schmerz“, weil er nur einen Punkt für ein Tor erhält. Da die meisten Spieler aber gewinnen wollen und die Chance auf einen Sieg mit drei Punkten pro Tor höher ist, wird er sich bemühen, den Ball laufen zu lassen.

Wie siehst du das? Macht der Satz Sinn? Ich freue mich auf deinen Kommentar :)

PS: Auch in diesem Kurs ist eine kleine Übungssammlung erschaffen worden.Hier kannst du sie herunterladen.


1 Antwort auf „Lernen soll Schmerzen verursachen?!“


  1. 1 Frank 16. Juli 2014 um 14:23 Uhr

    Lernen soll vor allem Spaß machen. Das braucht aber eine gewisse Grunddisziplin. Wenn es immer wieder einzelne Störnfriede gibt, wirkt sich das natürlich direkt auf das Training aus. Dort liegt der Knackpunkt, dort sollte man gegensteuern.

    Wenn allerdings Liegestütze, SitUps oder skippen nicht helfen, zieht vielleicht der Ausschluß vom Training oder vom Spieltag.

    Eine allgemein geltende Lösung wird es nicht geben, dafür sind die Umstände im Kinder- und Jugendtraining zu vielseitig. Ich selbst bin mit oben Genanntem bisher gut gefahren und bevorzuge diesen Weg auch weiterhin.

    Sport frei!

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